Eine Kuh gibt im Durchschnitt ungefähr 8.250 Kilogramm Milch pro Jahr.

 

In Deutschland werden etwa vier Millionen Milchkühe gehalten. Die meisten von ihnen leben in Niedersachsen und Bayern. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe, die Kühe zur Milcherzeugung halten, sinkt seit Jahrzehnten: Gab es im Jahr 1970 noch 838.000 Milchviehhalter, sind es heute nur noch 58.000.

 

Einer dieser Milchviehhalter ist Silvio Reimann aus dem Landkreis Hildburghausen in Thüringen. Reimann ist als Geschäftsführer der Milch-Land GmbH Veilsdorf gemeinsam mit seinem Team für die insgesamt etwa 1.880 Milchkühe verantwortlich, die an zwei Standorten gehalten werden. Die dort erzeugte Milch wird u.a. für die Herstellung von Käse verwendet. Paul-Philipp Braun, freier Journalist und Fotograf hat ihn besucht. 

 

Ohne Milch kein Käse

(von Paul-Philipp Braun)

Eingebettet in Thüringens fränkisch geprägten Süden liegt Veilsdorf. Rund 3.000 Einwohner zählt die beschauliche Gemeinde. Doch die Veilsdorfer sind nicht allein. Auch fast 2.000 Milchkühe haben hier, unweit der Stadt Hildburghausen, ihre Heimat. Genauer gesagt ihren Stall. Denn dort leben die 1.880 Milchkühe an zwei Standorten in Schackendorf und in Crock die meiste Zeit des Jahres. Der Vorteil daran, erklärt Silvio Reimann, sei ganz einfach: „Die Stallhaltung ist definiert und planbar. Die Kühe sind dabei nicht Wind und Wetter ausgesetzt. Außerdem kann man hier jeden Tag standardisiert füttern und melken.“  Auf die Weide kommen die Kühe hingegen nur in der Zeit ihrer Trockenstellung, also dann, wenn sie sich auf das Gebären eines Kalbs vorbereiten und daher auch keine Milch geben.   


Etwa 70 Prozent aller Milchkühe werden in Deutschland in offenen Laufställen gehalten. Die Tiere können sich hier frei bewegen, haben Sozialkontakte zu anderen Tieren und können fressen oder einfach nur wiederkäuen, wann immer sie wollen. Vor allem in Süddeutschland ist die so genannte Anbindehaltung noch verbreitet. Das heißt, dass die Tiere im Stall an einem Platz angebunden werden und ggf. für Weidegänge heraus dürfen, sofern es die Witterung zulässt.

Auch in Veilsdorf leben die Milchkühe die meiste Zeit in einem Laufstall. Am Standort in Schackendorf kümmert sich Vito-Benito Pfeiffer als Anlagenleiter um die Kühe. Wenn sie noch jung sind und noch keine Milch geben, leben sie draußen auf der Weide.


 

Seit 2001 ist Silvio Reimann Geschäftsführer der Milch-Land Veilsdorf GmbH – mit etwa 125 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Ort. 1991 ging der Betrieb aus zwei ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) hervor, bewirtschaftet  heute eine Fläche von 4.800 Hektar (umgerechnet sind das fast 3.500 Fußballfelder) und verkauft die Milch der Kühe an eine regionale Molkerei. Rund 33.000 Liter sind das allein am Standort in Schackendorf jeden Tag, die von einem Milchlaster in der Nacht abgeholt und zur Weiterverarbeitung gebracht werden. Zweimal dürfen die Rinder dafür, so erzählt Silvio Reimann, an das moderne Melk-Karussell. Für die Tiere eine willkommene Abwechslung zwischen schlafen, herumlaufen und fressen. „Sobald die Melkzeit der Kühe naht, stehen sie schon vor dem Tor ihrer Stallsektion und warten, dass jemand kommt und sie zum Melkstand bringt.“ Die Kühe haben – wie Gewohnheitstiere eben sind – die Zeit des Melkens in ihrer jeweiligen Gruppe schon verinnerlicht.

 

Gut 28 Liter Milch bringt jede Veilsdorfer Kuh am Tag und liegt damit im Mittelfeld der deutschen Milchmengen. Doch dieses Mittelfeld ist schon das, Silvio Reimann und seine Mitarbeiter anstreben. Es sei ihnen wichtiger, dass es den Tieren gut geht und sie eine qualitativ hochwertige Milch abgeben, als dass sie auf Masse produzieren, erklärt Reimann die Unternehmensphilosophie der Milch-Land GmbH. Dazu kommt, dass auch die Wahl der Molkerei sich für die Veilsdorfer an der Qualität, der Regionalität und deren unternehmerischem Konzept ausrichtet: „Der Hauptvorteil liegt darin, dass es eine genossenschaftliche Molkerei ist. Das heißt, dass der Genossenschaftsgedanke noch gelebt wird.“ Nur wenn alle an der Molkerei und ihrer Wirtschaft beteiligt werden, ist Reimann sich sicher, sind die Endprodukte nicht nur gut, sondern wertvoll.

 

Zu diesen Endprodukten, die aus der Milch der Veilsdorfer Kühe entstehen zählen unter anderem Frischmilch und Käse. Während die Milch dabei auch direkt im Hofladen des Unternehmens gekauft werden kann, werden die Käsesorten unter der Marke Coburger angeboten und sind in verschiedenen Supermärkten zu finden. Für Geschäftsführer Silvio Reimann ein großes Glück, denn er selbst isst für sein Leben gern den Käse: „Würde es keinen Käse geben, würde ich vermutlich ein großes Stück Lebensqualität einbüßen.“

 

Zwei verschiedene Rinderrassen sind es, die die Veilsdorfer halten: Holstein-Frisian und Fleckvieh-Kühe. Während die erste Rasse ihren Ursprung im Norden Deutschlands hat, stammen die Fleckvieh-Rinder ursprünglich aus dem Bereich des heutigen Berner Oberlandes in der Schweiz. Und das ist nicht der einzige Unterschied, der Holstein-Frisian und Fleckvieh – abgesehen von ihrer Fellfarbe – voneinander trennt. Sind die schwarz-weißen Holsteiner nämlich als Allnutzungsrasse eher milchbetont und liegt der Fokus ihrer Haltung auf der Gewinnung von Milch für die Molkerei, werden die gelb-bräunlichen Fleckvieh-Rinder besonders wegen ihres guten Fleisches gehalten. „Jeder Chef braucht auch sein Hobby“, scherzt Silvio Reimann und begründet so, weshalb es im Milchbetrieb in Veilsdorf auch eine Fleischrasse gibt. Verkauft werden deren Erzeugnisse dann zumeist  im örtlichen Hofladen.

 

Was aber allen Kühen in Veilsdorf gleich ist, das ist das Futter, welches sie bekommen. Und das besteht, sagt Reimann nicht ohne Stolz, zum größten Teil aus eigenem Anbau: „Bei uns werden die Grundfutterkomponenten aus Gras- und Mais-Silage zusammengestellt, dazu kommt noch Kraftfutter. Das sind dann Getreide, Zuckerrübenschnitzel, Körnermais und Raps-Extraktionsschrot. Außerdem gibt es noch Vitamine und Mineralien, die wir allerdings dazukaufen müssen und nicht selbst herstellen können.“

 

Antibiotika kommen und kamen hingegen nie ins Kuhfutter. Das sei, berichtet der Landwirt, ein Mythos, der sich schon seit Jahren hält, aber vollkommen erfunden sei. „Früher ist das in bestimmten Mastbereichen der Fall gewesen, in der Milchviehhaltung aber noch nie“, erklärt Reimann und fügt hinzu, dass er auch Genveränderung der Milch strikt ablehne. Natürlichkeit und Echtheit sind es, worauf die Veilsdorfer bei ihren Produkten setzen. Und das kommt an.


© Fotos: Initiative Heimische Landwirtschaft/Paul-Philipp Braun

Heimische Lebensmittel herzustellen, Verbraucherinnen und Verbraucher mit einem hochwertigen, leckeren und regional erzeugten Produkt zu versorgen, das ist es, was Silvio Reimann und seine Leute tun wollen. Dafür wünschen sie sich an der ein oder anderen Stelle mehr Rückendeckung von der Politik. 

Das erwartet ein Milchviehhalter von der Politik (Video)

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