Ist der aktuelle Maisanbau in ein Deutschland ein Problem für Mensch und Natur oder überwiegen die Vorteile? Wir haben zwei Experten um eine Einschätzung gebeten.

„Mais ist ein wahres Multitalent und für die Landwirtschaft eine nahezu perfekte Pflanze.“

Das sagt Dr. Burkard Kautz vom Deutschen Maiskomitee e.V. (DMK)

„Mais hat wenig Ansprüche an den Standort, ist vielseitig nutzbar, liefert überdurchschnittliche Erträge und viel Energie. Dafür werden im Vergleich zu anderen Kulturen u.a. weniger Wasser und geringere Mengen an Pflanzenschutz und Dünger benötigt. Also eine echte „low input – high output“ Pflanze.

Der Selbstversorgungsgrad Deutschlands bei Körnermais liegt laut dem Statistischen Bundesamt lediglich bei 59 Prozent, demnach gibt es bei Körnermais sogar noch Bedarf bei der Anbaufläche.

Ein Hektar Mais liefert den Sauerstoff für 60 Menschen für ein Jahr oder – in der Biogasanlage – für ein Jahr den Strom für fünf 3-Personen-Haushalte. Die gleiche Menge Mais „recycelt“ zudem den CO2-Ausstoß von 250.000 Kilometer Autofahrt.

Nicht nur für den Landwirt auch in der Verwertung ist Mais ein Alleskönner. In erster Linie dient Mais als Nahrungsmittel für Mensch und Tier. Doch darüber hinaus wird er auch zu Biogas, z.B. für die Strom- und Wärmeerzeugung verarbeitet oder ist Rohstoff für Verpackungsmaterialien und dient als Plastikersatz. Selbst nach der Ernte stellen Maisfelder weiterhin Lebensraum und Nahrungsvorrat für Zugvögel und Insekten bereit.

Ob es zu einer „Vermaisung“ gekommen ist, ist eine Frage des subjektiven Standpunkts. Mais wird in Deutschland auf ca. 2,4 Mio. Hektar angebaut. Das entspricht lediglich 21 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Innerhalb Deutschlands ist der Maisanbau sehr unterschiedlich konzentriert. Regionen mit starker tierischer Veredlung und hohen Biogaskapazitäten weisen höhere Maisanteile an der Ackerfläche auf. Die regionale Betrachtung zeigt jedoch, dass in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg zwar hohe Anbaukonzentrationen vorliegen, ein Maisanteil von mehr als 50 Prozent an der Ackerfläche aber nur in sehr wenigen Landkreisen erreicht wird. Da Mais im Verhältnis zu anderen Pflanzen eine große Wuchshöhe hat und sich nur schwer übersehen lässt kann dies für einzelne sehr dominant wirken.“

 

„Der aktuelle Maisanbau ist ein Problem.“

Diese Position vertritt der Geograph und Landschaftsplaner Prof. Dr. Wolfgang Riedel (Flensburg, vormals Universität Rostock).

„Ein Blick in die derzeitige Agrarlandschaft im nördlichen Schleswig-Holstein zeigt ein bedrückendes Nebeneinander: Auf den durch Feuchtigkeit nicht mehr befahrbaren Getreidefeldern kann die Ernte nicht eingebracht werden und sie verdirbt, auf den mit Mais bestandenen Nachbarschlägen steht der Mais bis vier Meter hoch und verwehrt Bewohnern und Touristen den freien Blick in die Landschaft.

In Schleswig-Holstein sind es die ca. 600 landschaftsprägende Biogasanlagen, die die Maisernte „verschlingen“, in manchen Gemarkungen besitzt der Maisanbau bis zu 50 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Landesweit ist der Mais Hauptanbaufrucht vor dem Winterweizen. Monokulturen von Mais sind ökologische Wüsten und ein Schlag gegen die Biodiversität, aus Kulturlandschaften werden Energielandschaften, daneben auch durch die zusätzlichen Windkraft- und Solaranlagen.

Durch das hinlänglich bekannte Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) wird das System künstlich am Leben erhalten, das ja umweltpolitisch eine Antwort auf die Klimakrise und ihre Folgen sein will. Allerdings wird in Kauf genommen die Schädigung von Wasser, Boden und Biodiversität, die ökologischen Kollateralschäden sind hoch. Die Schädigung des Bodenpreismarktes ist eine weitere Folge des Biogasbooms. Nicht ausgeschlossen ist bei Auslaufen der EEG ein Zusammenbruch des künstlich erzeugten Systems. Eine neue Bedeutung könnten die Biogasanlagen durch die Wärmeversorgung bekommen, weniger als Stromerzeuger. Aber die Entwicklung ist noch nicht absehbar. In Blick auf die Ertragssicherheit erscheint momentan der Mais für den Landwirt attraktiver als Getreide, zumal das Dürreproblem in Schleswig-Holstein nicht so bedrohlich ist wie in anderen Regionen.“

Fotos: privat

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