Mittwoch, 28.April 2021

Der Umgang mit Lebensmitteln wird nachhaltiger

Wie die Landwirtschaft auf dem Hombach Hof greifbar gemacht wird

„Wenn die Mitmenschen im Supermarkt einkaufen, haben sie oftmals nicht vor Augen, was für die Verfügbarkeit der Lebensmittel alles im Vorfeld erfolgen musste“, sagt Birgit Kattau vom Hombach Hof. Das zu ändern, ist für Familie Kattau eine Herzensangelegenheit. In Bassum-Nordwohlde (Niedersachsen), einem kleinen Ort bei Bremen bewirtschaften die Kattaus in drei Generationen 200 Hektar Ackerland und versorgen täglich Schweine, Rinder und Hühner. Einblicke in die Arbeit auf dem Feld und im Stall gibt Sohn Markus Kattau u.a. über die sozialen Medien. Er betreibt mit viel Engagement eigene Kanäle bei Instagram und Facebook, wo er Nicht-Landwirten einen Blick hinter die Kulissen des Landwirtschaftsbetriebes gibt. Dort wird etwa erklärt, warum es wichtig ist, Gülle und Mist auf den Feldern zu verteilen oder wie die 340 Hühner im mobilen Stall leben.

Um noch mehr Möglichkeiten des Austausches mit Nicht-Landwirten zu schaffen, hat Markus Kattau im letzten Jahr zum ersten Mal Gemüse- und Blumenbeete vermietet. Interessierte können so selbst ihr Geschick bei der Gartenarbeit und dem Anbau von Lebensmitteln testen. Das Blühwerk, so der Name für das Projekt, wurde in diesem Jahr fortgesetzt. Erneut wurden alle Flächen vermietet.

Einige seiner Produkte verkauft der Hombach Hof in einem kleinen Hofladen direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Direktvermarktung ist für die Kattaus aber nicht nur ein wichtiges wirtschaftliches Standbein, sondern zugleich auch eine gute Basis für die landwirtschaftliche Öffentlichkeitsarbeit. Birgit Kattau sieht im Direktverkauf daher einen großen Mehrwert: „Durch die vielen Gespräche, die wir seitdem mit unseren Kunden führen durften, haben wir viele offene Fragen beantworten können. Dadurch haben wir festgestellt, dass der Umgang mit den Lebensmitteln nachhaltiger bzw. mehr geschätzt wird. Dies wollten wir mit unserer Selbstvermarktung unterstützen. Auch für die Umwelt und die Frische der Lebensmittel zählt jeder Kilometer Transport, der wegfallen kann.“

Um sich wirtschaftlich abzusichern, setzt Familie Kattau schon seit längerer Zeit auf verschiedene Betriebszweige: „Manchmal sind die Bedingungen in einem Betriebszweig nicht so optimal. Durch einen anderen können wir dann eventuell diesen Ausfall etwas kompensieren. So kann es  beispielsweise vorkommen, dass einmal das Wetter nicht optimal ist und auf dem Acker vieles vertrocknet. Oder in der Ernte fallen die Preise für das geerntete Getreide. Ein anderes Mal bekommen wir trotz der steigenden Unterhaltungskosten, weniger Erlöse für unsere Tiere, die wir an den Handel bzw. an die Schlachthöfe verkaufen“, so Birgit Kattau weiter.

Auch wenn die Tiere auf dem Hombach Hof in erster Linie Nutztiere sind, haben die Kattaus zu den Rindern, Schweinen und Hühnern ein nahes Verhältnis. Bei der Schlachtung lege man daher großen Wert darauf, „dass möglichst viel von diesem Tier auch verbraucht wird. Es sollen nicht nur die „Edelteile“ verwendet werden. Wir sind es dem Tier schuldig, dass wir es im Ganzen wertschätzen“, betont Birgit Kattau. Ein Tier wird daher erst dann geschlachtet, wenn eine ausreichend große Nachfrage nach den verschiedenen Teilen des Tieres besteht: „Wir freuen uns über Schnitzel, Kotelett, Braten, Filet. Aber auch aus den Knochen kann eine Suppe oder ein Fond gekocht werden. Aus einer Querrippe vom Rind zaubern wir mehr als nur Suppen. Bei Niedriggartemperatur im Backofen zubereitet, erhält man einen wunderbar zarten Braten aus der Rippe“, empfiehlt die Landwirtin.


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