Mittwoch, 16.Februar 2022

"Strom aus der Biogasanlage ist speicher- und steuerbar."

Warum die Landwirtschaft eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung erneuerbarer Energie spielt

Biogasanlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie sind recht umstritten. Der Geruchsbelästigung und der Verringerung der Flächen für den Anbau von Futter- und Nahrungsmitteln, stehen die CO2-Neutralität und die regionale Wertschöpfung gegenüber.

Einer, der sich mit Biogas auskennt, ist Dr. Stefan Rauh. Der studierte Agrarwissenschaftler leitet seit 2009 das Referat Landwirtschaft beim Fachverband Biogas und ist seit 2013 einer der Geschäftsführer des Verbandes.

Wir haben mit ihm darüber gesprochen, welche Rolle die Landwirtschaft bei der Umsetzung der Klimaziele spielt, vor welchen Herausforderungen die heimischen Landwirte stehen und warum der Klimaschutz für die Branche ein wichtiges Thema ist.

Herr Dr. Rauh, welchen Beitrag kann die Landwirtschaft zur Erzeugung erneuerbarer Energien leisten?

Die Landwirtschaft kann die Energiewende zwar nicht alleine umsetzen, ist aber ein wichtiger Partner im ländlichen Raum. Da die Landwirtschaft selbst auch die Aufgabe hat, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist die Produktion von erneuerbarer Energie ein wesentlicher Baustein zur Erreichung der Klimaziele.

Welche Form der Erzeugung erneuerbarer Energien würden Sie Landwirten am ehesten empfehlen?

Die Landwirtschaft spielt eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung erneuerbarer Energien und kann somit selbst dazu beitragen, die Folgen des Klimawandels zu begrenzen.

Landwirtschaftliche Betriebe können sowohl Flächen für die Installation von Wind- und Photovoltaik-Freiflächenanlagen bereitstellen, aber auch auf diesen Flächen Biomasse erzeugen, die in Biogasanlagen verwertet oder zu einem Biokraftstoff (Biodiesel, Bioethanol) umgewandelt wird. Hinzu kommt noch die Nutzung von holzartiger Biomasse aus den Wäldern oder Kurzumtriebsplantagen [Anm. = Anpflanzungen von schnellwachsenden Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen mit kurzer Umtriebszeit]. Aber auch landwirtschaftliche Gebäude sind bestens für die Installation von Photovoltaik-Anlagen geeignet.

Jeder der genannten Bereiche hat seine Stärken und Schwächen. Dabei lassen sich Effizienzen nicht immer Eins zu Eins vergleichen. Während beispielsweise Wind- und Photovoltaik-Freiflächenanlagen eine höhere Stromausbeute versprechen, ist der in der Biogasanlage erzeugte Strom speicher- und steuerbar.

Zugleich lässt sich der Anbau von Energiepflanzen womöglich besser in bestehende Betriebs- und Fruchtfolgestrukturen integrieren. Schlussendlich muss jeder landwirtschaftliche Betrieb anhand der Standortgegebenheiten selbst entscheiden, welche Form der erneuerbaren Energien am besten geeignet ist.

Welche Rolle spielt die Landwirtschaft bei der Biogasproduktion?

Die meisten Biogasanlagen in Deutschland werden in landwirtschaftlichen Unternehmen betrieben. Dabei werden Rohstoffe des eigenen oder von benachbarten Betrieben genutzt. Der erzeugte Strom wird in der Regel ins öffentliche Netz eingespeist, während die erzeugte Wärme im landwirtschaftlichen Betrieb und der näheren Umgebung genutzt werden kann.

Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile bei der Produktion von erneuerbaren Energien in der Landwirtschaft, vor allem bei der Biogasproduktion?

Erneuerbare Energien in der Landwirtschaft sorgen dafür, dass landwirtschaftliche Betriebe sich diversifizieren können und dass Einkommen auf verschiedene Betriebszweige verteilt wird. Damit wird das Risiko durch Preisschwankungen auf den Agrarmärkten deutlich reduziert. Insbesondere durch die mögliche Nutzung der im Betrieb anfallenden Biomasse ergibt sich eine Mindestvergütung, mit der der Betrieb sicher kalkulieren kann. Eine weitere Stärke der Biogaserzeugung ist, dass bei der Nutzung von Gülle und Mist entstehende Methanemissionen vermieden werden und die Geruchsbelastung bei der Ausbringung des organischen Düngers deutlich reduziert wird, was die Akzeptanz der Tierhaltung erhöht.

Gleichsam verbessert die Vergärung in einer Biogasanlage die Nährstoffwirkung der Gülle. Durch diesen zusätzlichen - sehr technischen Betriebszweig - wird zudem Wertschöpfung im ländlichen Raum geschaffen, wovon sowohl die Gemeinde aber auch die vor Ort ansässigen Handwerksfirmen profitieren.

Auf der Gegenseite ist es natürlich eine Herausforderung für landwirtschaftliche Betriebe, die technischen und organisatorischen Anforderungen dieses zusätzlichen Betriebszweiges zu meistern. Dies sollte bei neuen Projekten immer im Auge behalten werden.


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