Freitag, 8.Mai 2020

Größere Nachfrage und mehr Wertschätzung: Landwirtschaftsbetrieb aus Mechterstädt hofft auf anhaltenden Bewusstseinswandel bei Verbrauchern

Elke Heinze und Jochen Zellmann vom Landwirtschaftlichen Zentrum "Hörseltal" im Landkreis Gotha sind momentan entspannt: Die letzten Wochen hat der Landwirtschaftsbetrieb, der auch sechs Verkaufsstellen betreibt, relativ gut überstanden. Wie sie die Zeit der Corona-Krise erlebten und welche Hoffnungen sie für die Zukunft haben, das haben wir bei einem Besuch bei ihnen in Mechterstädt erfahren.

 

Mit Erleichterung blickt man im Landwirtschaftsbetrieb in Mechterstädt im Landkreis Gotha auf die letzten Wochen zurück. Denn trotz aller Anspannung, die in der Corona-Krise natürlich auch die Landwirte verspürten, hat das Landwirtschaftliche Zentrum „Hörseltal“ e.G. die Ausnahmesituation bis jetzt ganz gut überstanden. Mit seinen 86 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewirtschaftet das Unternehmen eine Fläche von fast 3.000 Hektar. Dazu werden 280 Milchkühe gehalten. Und auch die Schweinehaltung gehört zum Betrieb. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich von der Geburt bis zum ausgewachsenen Schwein um die Tiere. Das Futter wird fast komplett selbst angebaut. Unter der Marke „Die Mechterstädter“ verkauft das Landwirtschaftsunternehmen seine Fleisch- und Wurstwaren in sechs eigenen Filialen im Umkreis von Eisenach und Gotha.

„Vor allem unseren Verkäuferinnen mit kleinen Kindern wird gerade viel abverlangt“, berichtet Elke Heinze, Vorstand des Landwirtschaftlichen Zentrums „Hörseltal“. Nicht nur die Sorge um das Wohlergehen der Familie, sondern auch die fehlenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung seien eine große Belastung. „Zwar sind wir in der Landwirtschaft systemrelevant. Denn wir versorgen ja die Menschen mit Lebensmitteln. Wenn aber der Partner unserer Verkäuferinnen nicht auch in einem systemrelevanten Sektor arbeitet, besteht kein Anspruch auf eine Notbetreuung der Kinder“, führt Elke Heinze aus. Dienstpläne konnten deshalb in der letzten Zeit oftmals erst sehr kurzfristig von Tag zu Tag erstellt werden. Immerhin: Keine der Filialen musste geschlossen werden.

Gerade in den Filialen sei jetzt nicht nur eine größere Nachfrage bemerkbar. Auch ein größeres Interesse an der Arbeit in der Landwirtschaft stellt Elke Heinze fest. „Die Menschen wollen wieder wissen, wo ihr Essen herkommt und sie bringen uns mehr Wertschätzung entgegen“, sagt die studierte Landwirtin. Seit 13 Jahren arbeitet sie im Landwirtschaftsbetrieb in Mechterstädt und hofft, dass dieser Bewusstseinswandel der Verbraucherinnen und Verbraucher auch nach der Corona-Zeit erhalten bleibt. Diesem Wunsch schließt sich Jochen Zellmann, Vorstandsvorsitzender des Landwirtschaftsbetriebes, an.

„Unsere Kunden schätzen nicht nur die gute Qualität der Produkte, die sich von Wurst im Selbstbedienungsregal im Supermarkt unterscheidet. Sie wissen auch, dass sie bei uns hier  erzeugtes Fleisch und heimische Wurst kaufen können“, sagt Zellmann. Und darauf könnten sie sich auch nach der Krise verlassen, betont er. „Wir arbeiten nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft: Vom Futter, über die Aufzucht der Tiere bis zum Verkauf steckt in unseren Produkten zu fast 100 Prozent Mechterstädt“, sagt Zellmann und ergänzt: „Unser Slogan „Weil wir wissen, wo es herkommt“ ist damit nicht zufällig gewählt, sondern ein Versprechen.“

Von Montag bis Samstag werden Wurst und Fleischwaren, Salate und auch Convenience-Produkte (also fertige Speisen zum Aufwärmen für daheim) frisch zubereitet. Weil z.B. die Schulspeisung weggefallen ist und die Menschen viel Zeit zu Hause verbringen, wird wieder mehr selbst gekocht. Einige Kunden hätten telefonisch bestellt und die Ware dann fertig verpackt abgeholt. Ein Service, den „Die Mechterstädter“ schon seit längerer Zeit anbieten.

Nur wenige Minuten von der Autobahn vier entfernt betreibt das Unternehmen im "Hörsel-Eck“ in Mechterstädt außerdem einen Imbiss. Angeboten wird hier herzhafte Hausmannskost: Verschiedene Suppen, Schnitzel und Würstchen stehen auf der Speisekarte.  

Teilweise werden auch frische Backwaren in den Filialen verkauft. Als „Dorfkonsum“, der nicht nur Lebensmittel, sondern auch Waren des täglichen Bedarfs anbietet, ist besonders der Laden in Teutleben für die Infrastruktur vor Ort von zentraler Bedeutung. Denn er ist der einzige in dem Dorf mit seinen etwa 400 Einwohnern.

„Landwirtschaft ist für uns nicht nur Beruf, sondern Berufung. Dazu gehört auch die Verantwortung für die Region,“ so Elke Heinze. Wenn sich nun mehr Menschen für ihre Arbeit interessierten, sei das zwar erfreulich und motiviere. Ob sich die Haltung der Gesellschaft zur Landwirtschaft jetzt grundlegend wandeln wird, dazu wollen Elke Heinze und Jochen Zellmann keine Prognose abgeben. „Noch vor wenigen Wochen wurden wir als Tierquäler und Umweltverschmutzer beschimpft. Jetzt bewertet man unsere Leistung anders. Dabei arbeiten wir genauso weiter, wie vor Corona“, stellt Jochen Zellmann fest. 


>> Verkaufsstellen des Landwirtschaftlichen Zentrums "Hörseltal" finden unter: heimischehoflaeden.de

>> Mehr Informationen erfahren über den Landwirtschaftsbetrieb unter: lzmechterstaedt.de


© Foto: Initiative Heimische Landwirtschaft


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