Dienstag, 10.Oktober 2023

„Für mich ist Selbstversorgung eine Lebenseinstellung.“

Tomaten ernten, Anzuchtplatten bestücken, Gemüsebrühe selber machen: Unter @ringelundblume ermöglicht Stefanie Bartz ihren über 9.000 Followern auf Instagram Einblicke in ihren Nutzgarten, die Küche und Imkerei. Im Interview hat sie uns erzählt, was Selbstversorgung für sie persönlich bedeutet, welche Tipps Neuanfänger beachten sollten und warum sie sich keinen anderen Lebensstil mehr vorstellen kann.

Seit wann sind Sie als Selbstversorgerin aktiv und wie kam es dazu?

SB: Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt, an dem ich konkret beschloss, Selbstversorgerin zu werden. Eher war es ein schleichender Prozess, der durch das Interesse an verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten ausgelöst wurde. Ich habe zum Beispiel schon vor Jahren begonnen, einen Großteil meiner Kleidung selbst zu nähen und war fasziniert davon, was man mit den eigenen Händen alles schaffen kann. Wenig später haben mein Mann und ich angefangen, Brot zu backen und in unserem Garten das erste Gemüse anzubauen.

Damals konnten wir mit dem Thema Selbstversorgung noch gar nichts anfangen. Meiner Meinung nach wird der Begriff in Deutschland häufig viel zu eng definiert. Denn wirkliche, hundertprozentige Selbstversorgung, mit allen Lebensmitteln und allem was wir zum Bestreiten unseres Lebens benötigen, gibt es nicht. Dazu haben die allermeisten weder genug Platz noch Zeit dies umzusetzen. Für mich ist Selbstversorgung eher eine Lebenseinstellung. Es geht mir also nicht darum, alles komplett selbst zu machen, sondern sich bewusster mit allen Bereichen des Lebens auseinander zu setzen. Ich kann zum Beispiel in meinem Garten keine Kühe halten, aber ich kann Milch direkt vor Ort beim Bauern einkaufen. Was ich also nicht selbst mache, versuche ich möglichst regional zu beschaffen. Die Selbstversorgung ist für mich also ein Mittel, um ein nachhaltigeres Leben zu führen.

Wie sieht Selbstversorgung bei Ihnen konkret aus?

SB: Vor ein paar Jahren sind wir aus der Kleinstadt aufs Dorf gezogen. In unserem Garten bauen wir seither von Jahr zu Jahr mehr Gemüse an. In diesem Jahr auch erstmalig im Gewächshaus. Heute können wir über viele Monate wunderbares, unbehandeltes Gemüse ernten. Von Auberginen über Tomaten, Mangold und Knoblauch. Aber auch verschiedene Kohl- und Bohnensorten, Zucchini und Kürbisse wachsen in unserem Garten.  

Er schenkt uns im Sommer mehr Gemüse als wir direkt essen können, deshalb versuche ich auch immer einen Teil der Ernte für die Wintermonate haltbar zu machen. Einkochen, Trocknen oder Einfrieren sind also ein weiterer Bestandteil meiner Selbstversorgung. Auch Obst, Kräuter und Beeren finden sich in unserem Garten wieder. Sodass wir je nach Ernte auch Kompott, Säfte und getrocknete Kräuter in unsere Vorratskammer stellen können.

Eine der ersten Fähigkeiten, die wir auf unserer Selbstversorgerreise erlernt haben, war das Brotbacken. Das haben wir uns bis heute erhalten und so backe ich unsere Brote ausschließlich selbst. Unsere Imkerei ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und so produzieren wir heute Honig für uns, unsere Freunde, Familie und Nachbarn. Darüber hinaus versorgt uns mein Mann als passionierter Jäger mit Wildbret.

Wo beziehen Sie geeignete Töpfe, Maschinen und Gefäße zum Verarbeiten und Aufbewahren?

SB: Bis auf wenige Ausnahmen habe ich keine besondere Ausstattung, die von normalem Küchenequipment abweicht. Da ich meine Vorräte gerne einkoche, besitze ich einen großen Einkochautomaten und habe eine umfangreiche Sammlung an Einkochgläsern. Diese kaufe ich am liebsten online. Darüber hinaus verwende ich einen Dampfentsafter, um beispielsweise Beeren zu entsaften und zu Gelee verarbeiten zu können. Geräte dieser Art findet man, wie auch Einkochautomaten, in den Sommermonaten häufig in Baumärkten und Supermärkten. Mit Hilfe eines Dörrgerätes kann ich zum Beispiel Fruchtleder oder meine eigene lösliche Gemüsebrühe herstellen. Dörrgeräte gibt es in sehr unterschiedlichen Größen. Kleine, kompakte Geräte findet man häufig beim Discounter. Größere Geräte mit mehr Platz und Leistung kann man eher im Internethandel beziehen.

Was sollte man wissen, wenn man mit der Selbstversorgung starten möchte?

SB: Es ist wichtig zu verstehen, dass komplette Selbstversorgung eine Utopie ist. Es ist vielmehr ein Konzept, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen. Dabei geht es darum, sich je nach Interesse verschiedene Fertigkeiten anzueignen.  Die möglichen Themen sind dabei sehr vielfältig und gehen weit hinaus über den Anbau von Obst und Gemüse. Da wäre zum Beispiel die Tierhaltung zur Erzeugung weiterer Lebensmittel, die Versorgung mit Wärme durch Brennholz oder auch das Erlernen handwerklicher Fertigkeiten. Am Ende ist es das Wichtigste einfach anzufangen. Nicht zu viel auf einmal, ein oder zwei Themen reichen für den Anfang völlig aus. Und dann heißt es einlesen, üben und sich von Misserfolgen nicht unterkriegen zu lassen.

Stichwort Misserfolge: Was kann schief gehen?

SB: Wer etwas Neues erlernt muss immer auch mit Rückschlägen rechnen. Gerade beim Anbau von Gemüse kommen so viele Komponenten zusammen, die nicht nur durch mein Handeln beeinflusst werden. Die Lernprozesse ziehen sich dann mitunter über viele Jahre. Eine gewisse Ausdauer und Resilienz schadet also nicht.

Sie sind nun bereits mehrere Jahre als Selbstversorgerin aktiv – Was ist Ihr persönliches Fazit?

SB: Eine der wichtigsten Lektionen, die ich in den letzten Jahren lernen musste, ist den mir zur Verfügung stehenden Platz sinnvoll zu nutzen. Deshalb ist es immer ein abwägen, was baue ich selbst an und was kann ich auch in guter Qualität direkt beim Erzeuger kaufen. Selbstversorgung ist mit viel Arbeit und Verantwortung verbunden. Da bleibt wenig Zeit für anderes, auch Urlaub zu machen ist in manchen Jahreszeiten schwierig möglich. Das empfinden manche Menschen als Einschränkung. Für mich ist unser Lebensstil, der sich durch den Garten und unsere Bienen am Jahreslauf orientiert, sehr erfüllend. Ich kann es mir nicht mehr anders vorstellen. 

Liebe Frau Bartz, vielen Dank für das Gespräch!

Foto: privat


Persönliche Empfehlungen von Stefanie Bartz

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Selbstversorger-Literatur:

  • „Das große Buch vom Leben auf dem Lande“ (John Seymour)
  • „Vorrat halten“ (Hildegard Rust)

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